30.10.1943, 1. Jahrgang, Nr. 11, Seite 9
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30.10.1943, 1. Jahrgang, Nr. 11, Seite 12

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Dachrinnen-Romanze

Da ist kürzlich in Leiden
Etwas Ungewöhnliches geschehen,
Es lässt sich nicht vermeiden,
Ich mache daraus ein Lied.

Eine Dame hatte ihr Zimmer
In der Nähe einer Gracht gemietet,
Die oberste Etage,
Eine romantische Gegend.

Denn was dort geschah,
Stellt sicherlich, will ich wetten,
Sogar Shakespeare
Mit Romeo und Julia in den Schatten.

Die Dame wollte schlafen gehen,
Da klopft es an ihrem Fenster,
Sie konnte es nicht begreifen,
Sie trifft also auch keine Schuld.

Sie bekam einen Schrecken
Und stand kurz sprachlos da,
Dann rannte sie wie ein Wirbelwind
Die Treppe hinunter.

Und weil dieses Haus nur
Von Damen bewohnt wird,
Hat sich eine dieser Damen
Sehr männlich gezeigt.

Aha, dachte sie sehr mutig,
Während sie leise pfiff,
Möglicherweise kommt die geforderte Hilfe
Ein englischer Pilot.

Die beiden gingen nach oben
Und öffneten das Fenster,
Wahrhaftig, es ist ein Jüngling,
Wie ein neuer Ikarus

Fiel er wohl vom Himmel,
Leicht ist er gekleidet,
Doch ohne jede Verletzung,
Soweit man das sagen kann.

Die Damen stehen da und starren,
Und er fragt sehr gelassen:
Darf ich nicht bei euch schlafen,
Ich fühl’ mich so allein?

Die beiden Damen fragen:
Wer bist du und woher kommst du?
Darauf kam die deutsche Antwort:
Ich kann Sie nicht verstehen.

So zeigte sich, der Junge
Was made in Germany,
Und diese Tatsache kühlte
Plötzlich ihre Sympathie.

Mag man auch Sinn für Humor haben,
Das war ein schlechter Witz,
So riefen die Damen
Schnell die Polizei.

Doch unsere Polizei
Ist dafür nicht zuständig,
Wenn ein irrlichternder Deutscher
Die niederländische Nachtruhe stört.

Es kamen dann ein paar
Und untersuchten die Sache,
Doch der Täter brach
Seine Expeditionstour ab.

Wahrscheinlich war er durch den
Widerstand sehr schlecht gelaunt,
Und hat danach das Plätzchen
Schnell plangemäß geräumt.

Und wisst ihr, was mir daran
Am besten gefiel:
Ein Mof hat für niederländische Frauen
Keinerlei Sex Appeal.

Lektorat: Marinus Pütz