Wolfgang Polak (* 1935) ist wie Curt Bloch ein gebürtiger Dortmunder. Nachdem die Wohnung seiner Familie in der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört wurde, emigrierten sein jüdischer Vater und seine 1933 zum Judentum konvertierte Mutter mit Wolfgang und seinem Bruder Joachim schon am nächsten Tag in die Niederlande. Auf den illegalen Grenzübertritt folgten Aufenthalte in Aalten und Rotterdam. Im Jahr 1940 wurden die Polaks im Übergangslager Westerbork interniert. Dem resoluten Engagement von Wolfgangs Mutter Hildegard ist es zu verdanken, dass die Familie nach fast zweieinhalb Jahren das Lager verlassen und eine kleine Wohnung in Amsterdam beziehen konnte. Dort erlebten sie im Jahr 1945 die Befreiung. Mitte der 1950er Jahre kehrte Wolfgang Polak nach Dortmund zurück. Dort wurde er Ende der achtziger Jahre Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde und führte diese Tätigkeit 25 Jahre aus. In Anerkennung seiner Verdienste für den jüdisch-christlichen Dialog erhielt Polak den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Per Zufall begegnete Wolfgang Polak im September 2025 in einem Dortmunder Café Eva Weyl, ebenfalls eine Überlebende der Shoah. Weyl trägt stets ein Foto aus der Lagerschule in Westerbork bei sich. Es zeigt sie als kleines Kind auf dem Schoß eines Lehrers. Wolfgang traute seinen Augen nicht – denn auf dem Foto war auch er abgebildet! Nach über achtzig Jahren führte ein Wink des Schicksals die beiden ehemaligen Lagerinsassen wieder zusammen.